Das Bilderbuch hat als Buchgattung der Kinder- und Jugendliteratur tiefgreifende Entwicklungen in thematischer, ästhetischer, narrativer und buchgestalterischer Hinsicht durchlaufen. Diese Entwicklungen nimmt die Tagung aus fachdidaktischer und fachwissenschaftlicher Perspektive in den Blick: Geht es am 6. Februar 2017 mit Vorträgen und Workshops um das Bilderbuch im Kontext von Kindheit, fokussiert der zweite Teil der Tagung am 14. Februar 2017 aktuelle Tendenzen der Produktion, Distribution und Rezeption von Bilderbüchern, intermediale Relationen und spezifische literaturwissenschaftliche Zugänge.

Am 6. Februar 2017 wird im Rahmen der Tagung in Bremen zum zweiten Mal ein Bilderbuch mit dem Huckepack-Preis ausgezeichnet: Der diesjährige Preisträger ist wieder ein Buch, das Kinder 'Huckepack nimmt', in besonderer Weise Mut macht, Ängste auflöst, tröstet, die Welt auf den Kopf stellt und mit seinen Bildern und Geschichten zur inneren Entwicklung von Kindern beiträgt.

Bitte melden Sie sich zur Tagung über die eMail-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! an und schreiben Sie uns, an welchen Tagen und ggf. welchen Workshops Sie teilnehmen möchten. 

Ausgerichtet wird die Veranstaltung vom Bremer Institut für Bilderbuchforschung (BIBF, www.bilderbuchinstitut.de) und KinderundJugendmedien.de (www.kinderundjugendmedien.de) in Kooperation mit der Phantastischen Bibliothek Wetzlar und dem Verlag das Netz (Weimar).

Der Unkostenbeitrag beträgt

• für die gesamte Tagung 15,- Euro,

• für einen Tagungstag 10,- Euro.

Der Beitrag kann vor Ort entrichtet werden. Auszubildende, Schüler und Studierende können kostenfrei teilnehmen.

Die Tagung ist als Fortbildung anerkannt!

 

Tagungs-Flyer zum Download

Ausführliches Tagungsprogramm zum Download

 

 

Die Tagung im Überblick

Abstracts der Vorträge und Bio-Blurbs

Aktion Kunst huckepack!


 

Die Tagung im Überblick

 

Montag, 06. Februar 2017

Wallsaal, Zentralbibiliothek Bremen

 

9.00 Uhr
Grußworte (Leitung der Zentralbibliothek)

9.10 Uhr
Begrüßung durch das Bremer Bilderbuchinstitut (BIBF)

9.20 Uhr
Einführung in die Tagungsthematik, Prof. Dr. Jochen Hering (Universität Bremen)

9.40 Uhr
Vortrag Dr. Eckhard Schiffer: Kinder – Bilder – Innenwelten

11.00 Uhr
Erstes Workshop-Band

12.45 Uhr
Markt der Möglichkeiten: Huckepack-Initiativen stellen sich vor

13.15 Uhr
Pause

14.45 Uhr
Zweites Workshop-Band

16.15 Uhr
Pause

16.30 Uhr
Sektempfang

  • Musikalischer Einstieg
  • Begrüßung durch die Senatorin für Kinder und Bildung, Dr. Claudia Bogedan

16.45 Uhr
Preisverleihung und Laudatio (Gabriela Wenke M.A., Rehborn)

17.15 Uhr
Diskussion mit dem / der Preisträgerin

17.30 Uhr
Worte zum Tagungsabschluss, Prof. Dr. Sven Nickel, Universität Bremen

 


 

Dienstag, 14. Februar 2017


Rotunde Universität Bremen

 

9.30 Uhr
Begrüßung, Dekan Prof. Dr. Thomas Althaus (Universität Bremen)

9.45 Uhr
Einführung in die Tagungsthematik, Dr. Tobias Kurwinkel / Prof. Dr. Jochen Hering (Universität Bremen)

10.00 Uhr
Prof. Dr. Corinna Norrick-Rühl (Universität Mainz)
Der Bilderbuchmarkt: Produktion, Distribution und Rezeption eines besonderen Marktsegments

11.00 Uhr
Prof. Dr. Michael Ritter (Universität Halle)
Zwischen Pädagogikkonvention und literarästhetischer Emanzipation. Aktuelle Tendenzen in der Bilderbuchentwicklung und ihre Konsequenzen für Analyse und Beurteilung

12.00 Uhr
Mittagspause

13.30 Uhr
Dr. Christian A. Bachmann (Berlin)
Ungleiche Geschwister? Bildergeschichten – Bilderbücher – Comics

14.30 Uhr
Prof. Dr. Bettina Kümmerling-Meibauer/Prof. Dr. Jörg Meibauer (Universität Tübingen/Universität Mainz)
Gruppierte Charaktere. Visuelle und narrative Konfigurationen im Bilderbuch

15.30 Uhr
Pause

16.00 Uhr Dr. Felix Giesa (Universität Köln)
Über Rahmen in Bilderbüchern und Comics: Einblicke, Durchblicke und Ausblicke

17.00 Uhr
Tagungsabschluss

 


Abstracts und Bio-Blurbs 

 

Vortrag (06.02.2017)

Kinder – Bilder – Innenwelten

Dr. Eckhard Schiffer

Wenn ein Buchtext uns anspricht, eröffnen sich dialogische Möglichkeitsräume (D. Winnicott), in die hinein wir mit unseren inneren Bildern antworten können. Diese inneren Bilder gehen u.a. mit einer komplexen Hirnaktivität einher, die in etlichen Aspekten derjenigen ähnelt, die ablaufen würde, wenn wir die Bilderszenen real durchlebten. Dadurch wird im Kindesalter  die Hirnentwicklung in vielfältiger Hinsicht gefördert – z.B. im Hinblick auf Gedächtnis und Kreativität. Zugleich wird auch die Affektverarbeitung sowie eine "reflektierte Identitätserprobung" und Mentalisierungsfähigkeit positiv beeinflusst.
Wird dem Kind etwas vorgelesen – etwa von der Mutter – stellt sich beim zeitgleichen Hören derselben Geschichte oft eine Ähnlichkeit der jeweiligen inneren Bilder beider ein. Diese Ähnlichkeit geht mit einer zumindest teilweisen Überein-Stimmung der mit den Bildern verknüpften Gefühle einher, wodurch Nähe und Geborgenheitsgefühle entstehen. Diese können sich dann beim eigenständigen Lesen der bekannten Geschichte – aber auch anderer Texte - erneut mit der Lesesituation verbinden und zu weiterem Lesen motivieren. Um diesen Themenkomplex soll es im Vortrag gehen.

Bio-Blurb
Dr. med. Eckhard Schiffer, Jg. 1944, ist Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Zu seinen Interessenschwerpunkten gehört die entwicklungs- und gesundheitsfördernde Wirkung des Erzählens bzw. Vorlesens. Seit 2009 ist er im Ruhestand.

Arbeits- und Publikationsschwerpunkte u.a.: 
Gesundheitsförderung im Sinne der Salutogenese; Kohärenzgefühl und Resilienz: zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen vom Gesundbleiben; Vorbeugung seelischer Entwicklungsstörungen im Kindes- und Jugendalter, insbesondere im Hinblick auf Sucht und Gewalt; soziale Salutogenese: Chancen für Flüchtlingskinder und sogenannte "Schmuddelkinder".

Lesehinweise:

Webseite
http://www.eckhard-schiffer.de/ 

 


 

Workshops (06.02.2017)

 

Kindheitsthemen im Bilderbuch

Prof. Dr. Jochen Hering
Universität Bremen

In guten Bilderbüchern spiegelt sich die äußere wie innere Lebenswelt der kindlichen LeserInnen. Anhand einer Auswahl von Bilderbüchern werden wir uns den beispielhaft wichtigen Aspekten innerer Herausforderungen in der Kindheit annähern. Der Workshop schließt mit einem Kurzvortrag zum Bilderbuch als Begleiter bei Entwicklungsaufgaben von Kindern im Übergang von der Kita zur Grundschule.

Bio-Blurb
Jochen Hering war bis 2014 Professor für Literatur- und Mediendidaktik an der Universität Bremen. Er ist Mitarbeiter des Bremer Instituts für Bilderbuchforschung. Seine aktuellen Arbeitsschwerpunkte sind: Huckepack-Bilderbücher; Dialogische Hörspiele; Frühkindliche Sprach- und Erzählförderung.

Webseite
http://www.fb12.uni-bremen.de/de/literacy/team/hering-j.html 

 

Bewegte Bilder. Kita- und Grundschulkinder als FilmemacherInnen

Jennifer Reiske
Universität Bremen

Im Medienzeitalter lesen Kinder nicht mehr? Betrachten lieber Filme als Bücher? Wir drehen das Ganze um und machen aus Büchern Filme. Wie dies ganz einfach, geht erproben wir exemplarisch. Das Bilderbuch ist nicht mehr nur Lektüre, sondern Drehbuchvorlage für kleine Trickfilme.

Bio-Blurb
Jennifer Reiske ist Lehrerin, Lektorin an der Universität Bremen und Fachberaterin bei der Senatorin für Kinder und Bildung. In ihrer Arbeit führt sie Erwachsene und Kinder auf vielfältige Weise an Bilderbücher heran. Im Projekt "Digitales Lernen in der Grundschule" geschieht dies z.B. über die Produktion von Hörspielen und Trickfilmen.

Webseite
http://www.fb12.uni-bremen.de/de/literacy/team/reiske-j.html 

 

Bilderbücher und die Sprache der Gefühle. Die Arbeit mit der BilderBuchApotheke.

Dr. Angela Thamm

Hand in Hand mit Selina, Pumpernickel und Flora, Lindbergh, Armstrong und anderen klugen Mäusen geht es in diesem Workshop um das Begreifen von Trauer, Angst und Wut mit Hilfe der BilderBuchBühne. Wie wundersam versteckt werden in manchen Bilderbüchern – da szenisch neu benannt – nicht nur Probleme sondern auch ihre Lösungen – und für Kopf und Bauch modellhaft begreifbar. Über das (Vor)Lesen hinaus "passiert" durch die Erweiterung verengter Sprachspiele mit der BilderBuchApotheke therapeutisch Heilsames: Sprachförderung wird quasi federleicht ergänzt.

Literatur

  • Bohdal, Susi: Selina, Pumpernickel und die Katze Flora. Heidelberg: Carl-Auer-Verlag, 1981/2014.
  • Kuhlmann, Torben: Lindbergh. Hamburg: Oetinger, 2014.
  • Kuhlmann, Torben: Armstrong. Hamburg: Oetinger, 2016.

Bio-Blurb
Psychotherapeutische Praxis für Erwachsene, Kinder und Jugendliche, Gründung des Instituts für Spiel und Sprache zur Entwicklung der Literaturtherapie. Derzeit Idee der Initiierung einer Familien-Uni im Netz, um psychotherapeutisches Wissen interdisziplinär und multimedial einfach Menschen aller Kulturen zugänglich zu machen.

 

Kreative Bilderbucharbeit. Anregungen zu den Huckepack-Bilderbüchern 2016

Maren Bonacker
Phantastische Bibliothek Wetzlar

Der Workshop bietet zunächst Gelegenheit, die Bilderbücher der Huckepack-Empfehlungsliste 2016 näher kennen zu lernen. Anschließend werden Methoden der kreativen Arbeit mit diesen Bildern und Geschichten vorgestellt und diskutiert.

Bio-Blurb
Die Kinder- und Jugendliteraturforscherin Maren Bonacker leitet die Abteilung Kinder- und Jugendliteratur an der Phantastischen Bibliothek Wetzlar und verfügt über mehrjährige Lehrerfahrung an der Universität Gießen. Aktuell arbeitet sie auch als freie Journalistin und Referentin für kinderliterarische Themen.

 

Mathe-Reisen mit Bilderbuchgeschichten. Zur Arbeit mit Analogiebüchern

Bernadette Thöne

Das Erstellen von Analogiebüchern bietet viele Möglichkeiten, sich mit dem Gehalt von Bilderbüchern vertieft auseinanderzusetzen. In einigen Bilderbüchern geht es dabei in wesentlichen Teilen um Mathematik, was reichhaltige Aktivitäten zur Verbindung von mathematischer und sprachlicher Auseinandersetzung herausfordert.
Im Workshop wird das Potential eines solchen mathematikhaltigen Bilderbuches für Kinder im Kindergartenalter gemeinsam herausgearbeitet. Anschließend sollen Teilaspekte dieses mathematischen Gehaltes sowie die literarische Grundidee des Bilderbuchs durch Stempeltechniken in einem Analogiebuch aufgegriffen und übertragen werden. Ideen zu weiteren Beispielen für die praktische Arbeit mit Analogiebüchern werden den Workshop abschließen.

Bio-Blurb
Bernadette Thöne ist Lektorin im Arbeitsgebiet Mathematikdidaktik (Grundschule/Elementarbereich) an der Universität Bremen. Arbeitsschwerpunkte: Bilderbücher in Kita und Anfangsunterricht, Entwicklung und Erprobung von Spielen und didaktischem Material, vor allem im Bereich der Geometrie.

 

Freies Erzählen mit Bilderbüchern

Marco Holmer

Kinder verstehen Texte, die vorgelesen werden, wenn Sie in der Lage sind, aus den Situationen und Handlungen in der Geschichte eigene Bilder im Kopf zu erzeugen: Ein eigenes Kino im Kopf. Bei der Entwicklung dieser Fähigkeit ist es wichtig dass die Inhalte der Geschichte wiederholt und in verschiedenen Formen angeboten werden. Freies Erzählen und  Nacherzählen sind dafür gute Möglichkeiten. Dieser Workshop führt die TeilnehmerInnen in die Welt des Freien Erzählens von Bilderbüchern ein und gibt Anregungen für erzählerische Aktivitäten der Kinder.

Bio-Blurb
Marco Holmer ist Geschichtenerzähler und Theaterpädagoge. Er ist  Mitglied der Erzählakademie in Utrecht (NL), Leiter des Projektes "Erzählwerkstatt" (u.a. bei Kita Bremen), und war Mitglied des Koordinationsteams des NIFBE-Projektes "Geschichten bewegen".

Webseite
www.geschichtenfabrik.eu  

 


 

Wissenschaftliche Vorträge (14.02.2017)

 

Der Bilderbuchmarkt: Produktion, Distribution und Rezeption eines besonderen Marktsegments

Jun.-Prof. Corinna Norrick-Rühl
Johannes Gutenberg-Universität Mainz 

Das Bilderbuch rückt seit einigen Jahren immer mehr in das Blickfeld der Wissenschaft. Dabei wird erfreulicherweise zunehmend auch der "kulturelle[..] Rahmen ein[bezogen], in dem das Bilderbuch produziert und rezipiert wird" (Thiele 2003: 71). Dieser Vortrag wird genau da ansetzen und die Produktions-, Distributions- und Rezeptionsbedingungen für Bilderbücher betrachten. Produziert wird, was das Zeug hält: 2014 waren immerhin 11 Prozent aller Erstauflagen Kinder- und Jugendbücher. Dabei hat das Bilderbuch einen stabilen und starken Marktanteil von circa 18 Prozent innerhalb der Warengruppe. Bilderbücher sind große Umsatzbringer für den Buchhandel, denn sie werden besonders gerne noch im stationären Buchhandel und nicht online gekauft. Und deutsche Bilderbücher werden im Ausland gelesen: 2014 wurden fast 1.000 deutsche Bilderbücher als Lizenzen exportiert (aus: Buch und Buchhandel in Zahlen 2015). Über solche und ähnliche Statistiken hinausgehend wird der Vortrag die aktuellen Entstehungs- und Vermittlungskontexte des Bilderbuchs in Buchbranche und Gesellschaft thematisieren und einordnen. Auch die medialen Erweiterungen des Bilderbuchs wie Bilderbuch-Apps sowie Merchandising-Kontexte werden dabei zur Sprache kommen.

Literatur

  • Buch und Buchhandel in Zahlen 2015. Hrsg. von Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. Frankfurt am Main.
  • Thiele, Jens (2003): Das Bilderbuch. Ästhetik-Theorie-Analyse-Didaktik. Oldenburg: Isensee. 

Bio-Blurb
Corinna Norrick-Rühl ist seit April 2016 Juniorprofessorin für Buchwissenschaft am Gutenberg-Institut für Weltliteratur und schriftorientierte Medien der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Promoviert wurde sie 2013 mit einer Arbeit über die Rowohlt-Taschenbuchreihen rororo rotfuchs und rororo panther für Kinder und junge Erwachsene. Neben dem Kinder- und Jugendbuchmarkt, dem sie mit Projekten zum Pixi-Buch und zum nachhaltigen Publizieren von Bilderbüchern treu bleibt, interessiert sie sich für den internationalen Markt für Übersetzungen und arbeitet an einer Monografie zu Buchgemeinschaften im 20. und 21. Jahrhundert.

Webseite
http://www.buchwissenschaft.uni-mainz.de/mitarbeiter/norrick-ruehl/

 

"Neue Bilderbücher" – zwischen Pädagogikkonvention und literarästhetischer Emanzipation

Prof. Dr. Michael Ritter
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Die Gattung der Bilderbücher weist seit Jahren in einer erstaunlichen Breite und Vielfalt Innovationstendenzen auf, die das gesamte Selbstverständnis der Gattung betreffen und das traditionell pädagogisch determinierte Medium als Literatur für alle Altersstufen prädestinieren. Sowohl bild- und sprachästhetisch als auch thematisch sind deutliche Entgrenzungstendenzen erkennbar und führen zu einem veränderten Blick auf Bilderbücher. 
Der Vortrag thematisiert diese Tendenzen im Kontext der schulpädagogischen Verortung des Bilderbuchs. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Bilderbücher in pädagogisch-didaktischen Settings "zum Einsatz kommen". Dabei stehen insbesondere Auswahlentscheidungen von PädagogInnen und deren Begründung im Mittelpunkt. Weiterhin soll es darum gehen, wie diese theoretisch-reflektiven Perspektiven in konkreten Unterrichtssituationen operationalisiert werden. LehrerInnen als LeserInnen und BeurteilerInnen von Bilderbüchern agieren dabei in verschiedenen Rollen, die es herauszustellen gilt; und von kindlichen Lektürepraxen abzugrenzen. An diesen Beispielen wird deutlich, worin die besonderen Herausforderungen bei der Bilderbuchlektüre sogenannter neuer Bilderbücher bestehen. 
Der Vortrag stützt sich auf empirische Rekonstruktionen aus dem Forschungsprojekt "Zwischen Pädagogikkonvention und literarästhetischer Emanzipation. Überzeugungen von GrundschullehrerInnen zu Bilderbüchern und ihrer Didaktik".

Bio-Blurb
Dr. Michael Ritter ist Professor für Grundschuldidaktik Deutsch/Ästhetische Bildung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind: Bilderbuchtheorie, -rezeption und -didaktik, mediale Transformationen in Bilderbuch-Apps, inklusive Deutschdidaktik. Er ist Redaktionsmitglied der Zeitschrift kjl&m. 

Webseite
http://schulpaed.philfak3.uni-halle.de/grundschule_bereiche_mitarbeiter/deutsch/mitarbeiterinnen/mritter/

 

Ungleiche Geschwister? Bildergeschichten – Bilderbücher – Comics

Dr. phil. Christian A. Bachmann

Comics entwickeln sich in den USA um 1900 aus den Karikaturen, illustrierten Geschichten und Bildergeschichten von europäischen Künstlern wie Grandville, Rodolphe Töpffer, Adolf Oberländer oder Wilhelm Busch. Zur gleichen Zeit erlebt das Bilderbuch eine Blüte im künstlerischen Werk Lothar Meggendorfers. Meggendorfers Publikationen, von seinen Aufstellbüchern, Leporellos, Bewegungsbüchern bis zu seinen Bildergeschichten (u.a. in Meggendorfers humoristische Blätter) sind ein herausragendes Beispiel für die Verbindung narrativer Techniken, die in Bildergeschichten entwickelt und in Comics fortgeführt bzw. ausgebaut werden mit denjenigen des Mediums Buch. In der Comicforschung werden die Gemeinsamkeiten (und Unterschiede) von Bilderbüchern und Comics vielfach nicht gebührend berücksichtigt. Der Vortrag argumentiert für einen intensiveren Austausch in den jeweiligen Forschungszweigen, die sich mit diesen 'ungleichen Geschwistern' befassen.

Bio-Blurb
Christian A. Bachmann studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft sowie Linguistik in Bochum. Von 2010–2013 war er Mitarbeiter im DFG-geförderten Forschungsprojekt Das Künstlerbuch als ästhetisches Experiment (Bochum/Wuppertal). Seit 2016 ist er Mitarbeiter in der DFG-Forschergruppe Journalliteratur. Formatbedingungen, visuelles Design, Rezeptionskulturen (Teilprojekt: Rahmungsexperimente). Er promovierte 2015 in Vergleichender Literaturwissenschaft mit einer Arbeit über die Metamedialität und Materialität von Comics, für die er den Roland-Faelske-Preis 2016 erhielt. Seit 2008 ist er als Wissenschaftsverleger mit den Schwerpunkten Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft und Comicforschung tätig. Lehraufträge an den Universitäten Bochum, Essen-Duisburg, Innsbruck, Saarbrücken und Zürich. Diverse Vorträge und Publikationen über Comics, Bildergeschichten, amerikanische und deutsche Literatur sowie das Buch als Medium.

Webseite
http://www.christian-bachmann.de/

 

Gruppierte Charaktere. Visuelle und narrative Konfigurationen im Bilderbuch

Prof. Dr. Bettina Kümmerling-Meibauer
Eberhard Karls Universität Tübingen

Prof. Dr. Jörg Meibauer
Johannes Gutenberg-Universität Mainz 

Literarische Charaktere treten in Bilderbüchern oft in Gruppen auf, sowohl auf der Textebene als auch auf der Bildebene. Charaktere, die in Gruppen auftreten, nennen wir gruppierte Charaktere. Ausgehend von der Bildebene werden wir in unserem Vortrag versuchen, typische Konfigurationen von gruppierten Charakteren zu beschreiben, zum Beispiel die PARADE oder das ABFÜHREN. Wir weisen nach, dass dies rekurrente Konfigurationen in Bilderbüchern sind und stellen einen Bezug zu anderen medialen Traditionen her. Aus den Bildkonfigurationen lassen sich über das im begleitenden Text hinaus Ausgedrückte Schlüsse auf den jeweiligen Charakter ziehen, zum Beispiel, in welchem emotionalen Zustand er sich gerade befindet oder welches seine aktuelle Beziehung zu anderen Charakteren ist. Dies kann etwa im Fall der Parade die fröhliche gemeinschaftliche Aktivität sein, im Falle des Abführens die Angst vor Unterdrückung und Strafe. Abschließend diskutieren wir, ob es sinnvoll ist, einen literarischen Gruppencharakter anzunehmen (vgl. den Begriff des kollektiven Charakters bei Nikolajeva 2002). Dieser wäre mehr als die bloße Addition von einzelnen literarischen Charakteren.

Literatur

  • Bateman, John A. (2014): Text and image. A critical introduction to the visual/verbal divide. London: Routledge.
  • Frow, John (2014): Character and person. Oxford: Oxford University Press.
  • Kümmerling-Meibauer, Bettina/Meibauer, Jörg (2014): Understanding the Matchstick Man. Aesthetic and Narrative Properties of a Hybrid Picturebook Character. In: Picturebooks: Representation and Narration. Hrsg. von Bettina Kümmerling-Meibauer. London: Routledge. S. 139-161.
  • List, Christian/Pettit, Philip (2011): Group agency. The possibility, design, and status of corporate agents. Oxford: Oxford University Press.
  • Nikolajeva, Maria (2002): The Rhetoric of Character in Children’s Literature. Lanham, Maryland/London: The Scarecrow Press.
  • Painter, Clare/Martin, J.R./Unsworth, Len (2013): Reading visual narratives. Image analysis of children’s picture books. Sheffield: Equinox.

Bio-Blurbs

Bettina Kümmerling-Meibauer
Bettina Kümmerling-Meibauer ist Professorin am Deutschen Seminar der Eberhard Karls Universität Tübingen. Ihre Forschungsschwerpunkte sind internationale Kinderliteratur, Bilderbuchforschung, Literaturerwerb und die Schnittstellen zwischen Kinder- und Erwachsenenliteratur. Sie hat ein zweibändiges Lexikon  über Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur, eine Monographie zu Kanonprozessen in der Kinderliteratur und eine Einführung in die Kinder- und Jugendliteratur verfasst. Außerdem hat sie mehrere Sammelbände zum Bilderbuch herausgegeben, zuletzt Picturebooks. Representation and Narration (2014), Learning from Picturebooks. Perspectives from Child Development and Literacy Studies (2015, zusammen mit Jörg Meibauer, Kerstin Nachtigäller und Katharina Rohlfing) und Children’s Literature and the Avant-Garde (zusammen mit Elina Druker, 2015). Zurzeit ediert sie das Routledge Companion to Picturebooks. Mit Jörg Meibauer arbeitet sie an einer kognitiven Theorie des Bilderbuchs. 

Webseite
https://homepages.uni-tuebingen.de/bettina.kuemmerling-meibauer/

Jörg Meibauer
Jörg Meibauer ist Professor für Sprachwissenschaft des Deutschen an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seine Forschungsschwerpunkte sind Grammatik, Pragmatik, Wortbildung, Spracherwerb, sowie Sprache und Kinderliteratur. Er hat Monographien zu den Themen rhetorische Fragen, Modalpartikeln, Pragmatik und Lügen verfasst. Zuletzt hat er (zusammen mit Rita Finkbeiner) Sammelbände zu den Gebieten "Satztypen und Konstruktionen" und "Pejoration" herausgegeben. Zurzeit ediert er das Oxford Handbook of Lying. Mit Bettina Kümmerling-Meibauer arbeitet er an einer kognitiven Theorie des Bilderbuchs.

Webseite
http://www.linguistik.uni-mainz.de/mitarbeiter/meibauer/meibauer.php 

 

Über Rahmen in Bilderbüchern und Comics: Einblicke, Durchblicke und Ausblicke

Dr. Felix Giesa
Universität zu Köln

Noch in der Renaissance wurden Bilder als Fenster zur Natur angesehen, deren Rahmen gleich den Rahmen eben eines Fensters den Blick in eine Welt außerhalb der eigenen Welt ermöglichten. Der Standpunkt des Betrachters verschmilzt damit unweigerlich mit dem des Malers. Während diese Verschmelzung des Blicks in der Bildenden Kunst der Moderne nicht mehr aufrechtzuerhalten ist und sich äußere und innere Bilder in unterschiedlichen Rahmungen durchsetzen, verfügen die Comics mit ihren Panels über ein konstitutives rahmendes Element. Über die Beziehung dieser zahlreichen ‚Rahmen‘ untereinander spricht Thierry Groensteen in Système de la bande dessinées (1999) von 'ikonischer Solidarität'. Gemeint ist bei ihm damit ein rhizomartiges Beziehungsgeflecht, welches den kausal-narrativen Zusammenhang der sequentiellen Erzählung charakterisiert. Gleichzeitig wird damit jedoch auch eine Verschachtelung von Rahmen angesprochen, die auf unterschiedlichen erzählerischen Ebenen liegen. Die Erzähltheorie spricht hier von Rahmen- und Binnenerzählungen. So komplex die narratologische Bestimmung von erzählerischen Rahmen ist, so konkret wird sie in der Verschachtelung von Rahmen/Panels auf der Comicseite. Der Wechsel zwischen Außen- und Innenperspektive, der in der Kunstgeschichte Jahrhunderte in Anspruch genommen hat, wird auf den Seiten der Comics völlig unspektakulär vollzogen.
Bilderbücher und Comics nähern sich seit geraumer Zeit immer wieder künstlerisch und personell an, so dass in beiden Erzählformaten 'Rahmen'verschiebungen zu beobachten sind. Welche konkreten Wechselbeziehungen sich in der Verwendung von Rahmen zwischen Bilderbüchern und Comics finden lassen und welche Funktionen sie haben, soll in diesem Vortrag untersucht werden.

Bio-Blurb
Felix Giesa wurde 2014 mit einer Arbeit zum zeitgenössischen deutschen Comic promoviert. Er arbeitet seit 2010 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Arbeitsstelle für Kinder- und Jugendmedienforschung (ALEKI) der Universität zu Köln. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen insbesondere Bilderbücher und Comics.

Webseite
http://www.uni-koeln.de/phil-fak/deutsch/aleki/mitarbeiter/giesa/

 


Aktion Kunst huckepack!

Mit der Aktion Kunst huckepack! möchten wir den Dialog zwischen Künstlern und Kunstliebhabern stärken und einen Beitrag dazu leisten, Kunst auch außerhalb der üblichen Ausstellungsräume einer möglichst großen Anzahl an Menschen zugänglich zu machen. Im Rahmen der Aktion können Sie ein Kunstwerk unentgeltlich in ihre Obhut nehmen – es "huckepack nehmen". Im Gegenzug übernehmen Sie die Verantwortung für das Kunstwerk und stellen es an einem  öffentlich zugänglichen Ort aus, etwa in ihrer Schule, in ihren Geschäftsräumen, in einem Café oder einer Kneipe. Weitere Informationen haben wir Ihnen hier zusammengestellt: Informationsbroschüre zum Download

Öffnungszeiten Bilderbuchbibliothek

Eingeschränkte Öffnungszeit während der vorlesungsfreien Zeit:
Do 12-13 Uhr.

Während der Vorlesungszeit (ab Mitte Oktober) wird die Bibliothek wie gewohnt täglich geöffnet sein.

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