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Bücher des Monats (September 2021):

ABC-Bücher  (Themenschwerpunkt von Laura Sheng)   

 

„Ich kann schon das Alphabet.“ Sätze wie dieser sind bereits von Kindergartenkindern nicht selten zu hören. Es folgt der stolz präsentierte Sing-Sang einer auswendig gelernten Reihung von Buchstaben. Doch was tatsächlich hinter den willkürlich erscheinenden Symbolen unserer Sprache steckt, ist den kleinen Vortragenden meist noch kaum bewusst.

Buchstaben sind die Grundbausteine unserer Schriftsprache und deren Kenntnis somit einer der ersten wichtigen Schritte hinein in die Welt geschriebener Wörter, Sätze, Texte, Geschichten. Um Kindern einen ersten Zugang zu dieser Welt zu verschaffen, bringen Jahr um Jahr zahlreiche Verlage ABC-Bücher auf den Markt. Durch Kreativität und Wortwitz können solche Bücher vielfältige Impulse für einen spielerischen und experimentellen Umgang mit Sprache liefern. 

 

 

Eine wahre Flutwelle von Alliterationen schwemmt die Lesenden im ABC der wilden Piraten (2015) von einem Buchstaben zum nächsten. Beginnend bei acht Aal angelnden Abenteurern bestimmt jeder Buchstabe des Alphabets mindestens eine Doppelseite des Pappbilderbuchs, bis am Ende die zotteligen Ziegenbärtchen in ihr Zeltbett begleitet werden. Auf dieser abenteuerlichen Fahrt durch die Buchstabenwelt begegnet den Rezipierenden eine kaum zu überblickende Vielfalt urkomischer Freibeuter ebenso wie ein durchaus anspruchsvolles Vokabular, das den kindlichen Entdeckergeist mit Ausdrücken wie „Korsar“, „Erzhalunken“ und „Einmaster“ herausfordert. Bei genauerem Hinsehen sind auch auf der Bildebene eine Vielzahl kleiner Schätze zu entdecken. So ist auf der ersten Doppelseite neben einem „A“ an der Piratenangel und in den Tiefen des Ozeans sogar ein kleines „A“ in der Suppe zu finden. Diese Jagd nach Buchstaben lässt sich leicht auf die Lebenswelt der Kinder übertragen, indem Buchstaben in schriftsprachlichen Elementen, wie Plakaten, Etiketten, o.Ä. in der eigenen Umgebung gesucht werden.

 

 

 

Das schon 2006 erschienene Bilderbuch Trauriger Tiger toastet Tomaten lässt bereits in seinem Titel erkennen, dass es demselben Prinzip folgt. Während die Anekdoten aus dem Leben verschiedener Piraten zumindest eine lose thematische Rahmung schaffen, enthält dieses Bilderbuch jedoch kein übergreifendes Thema. Vielmehr widmet es sich gänzlich seiner sprachlichen Spielereien mit auf die Spitze getriebenen Alliterationen bis hin zu kaum aussprechbaren Zungenbrechern vor dem inhaltlichen Hintergrund höchst absurden Nonsens. Neben einer Packung „Knack und Krümel“ beweist z.B. der im einfachen Comicstil gezeichnete Vierbeiner wie selbstverständlich: Katzen in Kittelschürzen können Kümmelstangen kürzen. Bereits auf der ersten Doppelseite finden sich mit den Lebensmitteln AnisAnchovis und Austern schwierige Wörter, die ebenso wie das Vokabular der wilden Piraten Impulse für eine intensive Wortschatzarbeit liefern.

 

 

Auch das Bilderbuch Wir sind erste Klasse! setzt die Buchstaben der Reihenfolge des Alphabets nach in Szene, indem sich dieselben Anlaute in Text und Bild wiederholen. Der Einsatz von Alliterationen ist dabei jedoch deutlich verhaltener. Dafür nimmt das Buch seine Zielgruppe thematisch mit auf, begleitet Anton, BettiCarl, … und Zora bei ihrem ersten Schultag und liefert damit ebenso viele Perspektiven von Schulanfänger*innen wie Buchstaben im Alphabet. Abgerundet wird die erste Zusammenkunft der Kinder durch ein Buffet mit Speisen von A bis Z und ein gemeinsam gesungenes Ständchen auf das Alphabet: Das ABC, das ABC, das tut ja gar nicht weh!

 

Alle drei Bücher lassen sich als Ausgangspunkt für eine spielerische Förderung der phonologischen Bewusstheit durch das Erkennen von Anlauten nutzen. Auf dem Prinzip der Bilderbücher aufbauend können z.B. bekannte Spiele, wie „Ich packe meinen Koffer“ und „Ich sehe was, was du nicht siehst“ durch eine Regel zur Beschränkung auf einen bestimmten Anlaut ergänzt werden. Auch bietet es sich an, die Bücher nach Lieblingszungenbrechern zu durchsuchen und diese als Anlass zu nehmen, eigene Zungenbrecher zu formulieren. Um einen handlungsorientierten Zugang zu wählen, lassen sich angeregt durch die Lektüre zudem eigene Lieblingsbuchstaben-Collagen erstellen.

 

 

Einen besonders anregenden und originellen Zugang zur Welt der Buchstaben bietet Das ausgelassene ABC, das mit einem vollkommen anderen Prinzip verblüfft. 

Was passiert mit einem Wort, wenn ein Buchstabe ausgelassen wird? Schnell wird so aus einem Gastgeber ein Ast-Eber, der die mit funkelnden Halsketten geschmückten Perlraupen freundlich in seinem Ästehaus inklusive Äste-WC begrüßt. Fehlt das „E“ kommen ältere Herren in einem Uropa-Rat zusammen, bei einem ausgelassenen „F“ eilt ein „Brieträger“ mit einem großen runden Käse unter dem Arm durch das Bild und ohne „H“ landet die „Eulsuse“ verzweifelt auf einem Haltestellenschild. Doch sie kommt zu spät: Die Alte Stelle ist außer Betrieb und der Bus bereits weg. 

Die an Wimmelbilder erinnernden Doppelseiten dieses Bilderbuches laden zum Rätseln und Entdecken ein, denn auch in jedem noch so kleinen Detail steckt ein Wortspiel. So ist z.B. das Angebot aberwitziger Erfindungen in den vielen kleinen Läden dieser Bildwelten groß: Von angesagten Utebeuteln über die neueste Brutkleidmode, in der die Henne auf einem Plakat ihre Eier stolz zur Schau stellt, bis hin zu einem Warenschwein auf der letzten Doppelseite, das ein Mittel gegen Rotnasen und eine Ahnpasta verkauft.

Durch das Weglassen von Buchstaben ergeben sich erstaunliche neue Bedeutungen, die Jung und Alt zum Schmunzeln bringen. Während sich bereits Vorschulkinder an dem Ideenreichtum der bunten Wimmelbilder erfreuen, können Grundschulkinder sich an die Entschlüsselung der zahlreichen Wortspiele wagen und erwachsene Leser*innen amüsieren sich z.B. über die bereits ausgebuhten Konzerte von Joe Oker und Old Play oder eine stark geschminkte Dame an der Bar, die in ein Buch mit dem Titel „Sturm und Drag“ vertieft ist.

 

Auch dieses Buch fordert zu einer kreativen Auseinandersetzung mit Sprache und eigenen sprachlichen Experimenten heraus. Es bietet sich bspw. an, die Lektüre nach einigen Seiten zu unterbrechen, um selbst weitere Buchseiten des ausgelassenen ABCs mit lustigen Wortneuschöpfungen zu entwerfen. Für das Verständnis des Bilderbuches und die darauf aufbauende Arbeit damit ist allerdings schon deutlich mehr schriftsprachliches Vorwissen nötig als bei den oben beschriebenen Anlautspielen.

 

Von Laura Sheng

 

Primärliteratur:

 

Budde, Nadia (2002): Trauriger Tiger toastet Tomaten. Wuppertal: Peter Hammer.

ISBN 978-3-87294-849-6

 

Hattenhauer, Ina (2019): Das ausgelassene ABC. Hildesheim: Gerstenberg. 

ISBN 978-3-8369-5623-9

 

Jakobs, Günther (2015): ABC der wilden Piraten. Hamburg: Carlsen.

ISBN 978-3-551-17052-1

 

Kulot, Daniela (2018): Wir sind erste Klasse! Stuttgart: Thienemann-Esslinger.

ISBN: 978-3-522-45881-8

 

 

 

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